Was ist Osteopathie?

 

 Osteopathie ist eine manuelle Medizin und Therapie mit eigenem medizinphilosophischen Hintergrund. Die Grundsteine dieser Therapieform wurden vor ungefähr 130 Jahren durch den Arzt Dr. Andrew Taylor Still in Amerika gelegt. Seither entwickelt Sie sich in verschiedenen Ländern stetig weiter. In einigen Ländern wie z.B. den USA , England, Schweiz oder Australien ist der Beruf des Osteopathen inzwischen vollständig im medizinischem Versorgungssystem implementiert.

Die Osteopathie ist wie jede medizinische Disziplin und Wissenschaft ständigem Wandel und neuen Erkenntissen und Paradigmen unterworfen. Aktuell basiert Sie auf folgenden Prinzipien und Überzeugungen:

 

 

 

1. Die Struktur und Funktion des Organismus und seiner Teile stehen in ständiger Wechselbeziehung.

 

2. Die Faszien (Bindegewebe) werden als Grundgewebe betrachtet, bilden eine Kontinuität im Körper und verbinden Alles miteinander.

 

3. Körper, Seele und Geist des Menschen sind Vielfalt als auch Einheit. Sie beeinflussen sich gegenseitig auf verschiedenen Ebenen.

 

4. Das Gesetz der Flüssigkeiten: Eine gute Versorgung aller Gewebe mit Blut und Lymphen ist essentiell.

 

5. Das Nervensystem (Zentrales, Vegetatives, Entrisches und Peripheres) als Infomationsträger sollte frei von Restriktionen und Beeinträchtigunegen sein.

 

6. Das Tensegrity Model (aus der Architektur) veranschaulicht die Leichtbauweise, Effizienz und Selbstregulierungsbestreben biologischer Systeme zeitgemäß und dient der modernen Osteopathie als eine wichtige Betrachtung des Menschen.

 

7. Therapeut und Patient sollten Vertrauen in die Selbstheilungskräfte des Körpers haben.

 

8. Der Osteopath fungiert in der therapeutischen Interaktion eher als Mittler oder Katalysator als ein Macher und Manipulator.

 

 

 

Die Osteopathie ist eine integrative manuelle Medizin und basiert auf den oben genannten Prinzipien. Sie kann bei allen Funktionsstörungen des menschlichen Organismus angewandt werden, unabhängig davon wie lange die Symptome schon bestehen.

Der Erhalt und die Förderung der körpereigenen Selbstheilungskräfte ist ihr Ziel.

 

 

 

Wie arbeitet ein Osteopath?

 

Die Hauptarbeitswerkzeuge des Osteopathen sind seine Hände. Diese werden in einem mindestens fünfjährigen Studium geschult und sensibilisiert, um Funktionsstörungen in Ihrem Körper ertasten und manuell behandeln zu können.

Dazu benutzt der Osteopath verschiedene Techniken. Diese reichen von chiropraktischen Eingriffen über rhythmische Mobilisierungen, Druck-, Schiebe- und Haltetechniken bis hin zu sehr subtilen Verfahren, die von außen sogar an Handauflegen erinnern. Je nachdem, was der Körper benötigt, um ihn in seiner Selbstkorrektur zu unterstützen, werden diese Techniken angewandt.

 

 

"Häufig stellen mir Patienten, nachdem ich einen Tastbefund erhoben habe , verwundert die Frage: Und das haben Sie gespürt!? 

Man käme nicht auf die Idee einem Musiker (hören), Parfümeur (riechen), Koch oder Sommelier (schmecken) diese Frage zu stellen.Von diesen Fachdisziplinen wissen wir, dass man einen Sinn schulen und verfeinern kann. Bei der Hand, dem Arbeitswerkzeug des Osteopathen, handelt es sich sogar um das empfindlichste Sinnesorgan des Menschen. Warum sollte mann also nicht lernen können Verspannungen und Qualitäten der Körpergewebe über die Hände zu beurteilen?

Um  Verspannungen und Blockaden nachhaltig lösen zu können, nutzt der Osteopath unter anderem sein Wissen über Anatomie und Physiologie des Körpers. Dieser ist ständig versucht sich selbst  ins Gleichgewicht zu bringen. In der Fachsprache  nennt man dies Homöodynamik. Sie können diesen Vorgang bei sich selbst jederzeit beobachten. Ihre Atmung, der Herzschlag, Lidschlag, die Wärmeverteilung des Körpers, die Heilung einer Wunde usw. sind Beweise dafür, dass der Körper nach Gesundheit und Balance strebt. Wir verhalten uns im Grunde genommen ständig selbstregulierend bzw. selbstheilend.

Manchmal jedoch kann der Körper eine größere Wunde, Blockade oder Störung nicht mehr ganz von alleine beheben. Wir brauchen dann Unterstützung von Außen. Das kann das Nähen einer Wunde sein, eine Wärmflasche, die Zugabe von Sauerstoff , oder einfach das Handauflegen bei Zahn - oder Bauchschmerzen."

 

 

 

 

 

Ein Behandlungsbeispiel (vereinfacht).

 

Eine Frau klagt seit vielen Jahren nach dem Joggen über Schmerzen im rechten Knie. Die bildgebende Diagnostik zeigt keine "deutlichen" Gewebeveränderungen an.

Der Osteopath stellt anamnestisch fest, dass die Patientin vor Jahren bei einem Sprung auf einem kleinen Stein aufkam. Seitdem gibt es eine Verschiebung im unteren Sprunggelenk, welche die Biomechanik des gesamten Beins negativ veränderte. Zudem gibt es deutliche Spannungen und leichten Druckschmerz im Bereich der Blinddarmregion. Dies beeinflusst das benachbarte Darmbein-Kreuzbeingelenk (ISG), das dadurch blockiert. Die verminderte Dämpfung von Sprung- und Darmbein-Kreuzbeingelenk bewirkt, dass das Knie vermehrt Stöße abfangen muss, was wiederum die seitlichen Bänder strapaziert – der Körper meldet Schmerz.

Aufgabe der osteopathischen Behandlung besteht nun darin, die Ursachen der Beschwerden im Sprunggelenk und im Darm manuell zu behandeln.

 

"Hierbei handelt es sich um ein stark vereinfachtes Behandlungsbeispiel! Es soll lediglich verdeutlicht werden, das Ursachen einer Schmerzsymtomatik auch mit anderen Bereichen des Körpers zu tun haben können. Natürlich spielen in jedem Behandlungskonzept auch emotionale, seelische und geistige Aspekte eine wesentliche Rolle."